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Luise F. Pusch schrieb uns am 24.01.2012
Thema: Gottfried M. Heuer: „Die Geburt der Beziehungsanalyse“ und sexueller Missbrauch in der Psychoanalyse
Über David Cronenbergs Film „Eine dunkle Begierde / A Dangerous Method“

Danke für diesen gründlichen, informativen Artikel! In ihrer Bibliografie vermisse ich die Arbeiten von Renate Höfer, die m.W. die Geschichte als erste feministisch aufgearbeitet hat und wegen der Behauptung, Jung sei als Kind Opfer sexueller Gewalt geworden, große Schwierigkeiten mit der Jung-Gesellschaft bekam.
Vgl. Renate Höfer. Die Hiobsbotschaft C. G. Jungs: Folgen sexuellen Missbrauchs. Lüneburg: zu Klampen 1993.
Renate Höfer. Die Psychoanalytikerin Sabina Spielrein. Rüsselsheim: Göttert 2000.
Renate Höfer. "Sabina Spielrein 1885-1941", in: Duda, Sibylle & Luise F. Pusch. Hgg. 1995. WahnsinnsFrauen. Zweiter Band. Frankfurt/M. suhrkamp TB 2493. S. 156-186.

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Gerhard Müller schrieb uns am 22.01.2012
Thema: André Schwarz: Das Schweigen im Flachs
Julia Francks Roman „Die Mittagsfrau“

Kein regelrechter Leserbrief, nur eine Bemerkung, eine Resonanz:
Ich bin mit André Schwarz' Rezension völlig einverstanden. Mit viel Erwartung nahm ich die "Mittagsfrau" zur Hand und wurde zunehmend enttäuscht. Die Lektüre machte Mühe. Viel zu viel auch meinte ich anderswo schon gelesen zu haben.
Doch das Bemühen des Rezensenten, zu differenzieren und abzuwägen, ist vollauf berechtigt.

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Hinnerk Bruhns, directeur de recherche émérite au CNRS (Paris) schrieb uns am 14.01.2012
Thema: Dirk Kaesler: Ein „stahlhartes Gehäuse“ ist kein „Iron Cage“
Über Forscher, die kein Deutsch können

Leserzuschrift aus Frankreich
Dirk Käsler und dem von ihm zitierten Dieter Schönecker kann man nur zustimmen. Es kommt hinzu, dass ja oft nicht nur die der Interpretation zugrunde liegenden Texte nicht mehr in der Originalsprache gelesen, sondern dass man davon ausgeht, alles, was nicht auf Englisch publiziert wird, könne vernachlässigt werden. Diese Überzeugung scheint in Deutschland ganz besonders ausgeprägt zu sein (vgl. dazu die Arbeiten von Jürgen Trabant). Bei einer Autorität wie Claus Offe liest sich das dann folgendermaßen: “Mir ist keine Wissenschaftsdisziplin bekannt, in der nicht amerikanische Forschungsergebnisse und Publikationsorgane die selbstverständlichen intellektuellen Prämissen und paradigmatischen
Maßstäbe für akademische Forschung und Lehre setzen.”   Auf diese Weise kann man dann auch vieles neu entdecken, was man seit langem in anderen Sprachen hätte lesen können.
Anders als Käsler sehe ich das Problem der Übersetzungen. Dass sog. Weberforscher Max Weber auf Deutsch lesen können sollten, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Nun hat aber Weber seine Werke doch wohl nicht für die erlauchte kleine Gemeinde der Weberspezialisten geschrieben. Im Ausland, wie hier in Frankreich, sind die meisten Wissenschaftler, die mit (und nicht über) Weber arbeiten auf (gute!) Übersetzungen angewiesen. So wie Weber seinerseits für seine Studien über China oder Indien sich auf Übersetzungen oder Untersuchungen von sprachkundigen Spezialisten verlassen musste, um dann, vielleicht wirklich „vollmundig und im Gestus des Allwissenden » (Käsler),  chinesische Verhältnisse immerhin so zu analysieren, dass noch heute Sinologen den Hut vor ihm ziehen. Die von Dirk Käsler aus der Parson’schen Übersetzung der Protestantischen Ethik zitierten Beispiele machen deutlich, dass Übersetzungen sozialwissenschaftlicher wie natürlich auch philosophischer und anderer Texte, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen sollen, wissenschaftliche Arbeiten sind und als solche gewertet werden sollten. Das ist in unseren evaluierungsfixierten Wissenschaftssystemen natürlich nicht der Fall. Es gibt zu dieser Frage, am Beispiel Webers, einen aufschlussreichen Beitrag („Traduire: un versant de la recherche fondamentale“) von Jean-Pierre Grossein, dem derzeit besten Weberübersetzer in Frankreich, in einem leider zu wenig bekannten Buch über die Mehrsprachigkeit in den Kulturwissenschaften in Europa .

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Dieter Schönecker schrieb uns am 12.01.2012
Thema: Dirk Kaesler: Ein „stahlhartes Gehäuse“ ist kein „Iron Cage“
Über Forscher, die kein Deutsch können

Dirk Kaesler ist für seinen Text sehr zu danken! Einen Punkt, den Kaesler erwähnt, darf ich noch besonders bestätigen. Denn
was er über Jeffrey Alexander schreibt, erinnert mich haargenau an
unzählige Diskussionen, die ich über Sinn und Zweck der
Kant-Interpretation hatte: Immer wieder wird gesagt, es ginge nicht um den "historical Kant", sondern um "Kant as an idea" (das Wort dafür lautet dann oft "Kantianism"). Und meine Antwort darauf lautet: Wenn es nicht um den historischen Kant geht, dann gibt es auch keinen Grund, etwa in einem Buch hunderte von Kant-Zitate zu bringen; wenn es dagegen nur um Thesen und Argumente geht, die irgendwie 'Kantianisch' sind (aber was diese Thesen und Argumente
sind, wäre eben zu klären), dann reicht ein kurzer Verweis auf Kant - um dann
die eigene Theorie zu entwickeln.
Hoffentlich werden auch andere Wissenschaftler aus ihren Disziplinen berichten.

Dieter Schönecker

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Franz Siepe schrieb uns am 11.01.2012
Thema: Re: Dirk Kaesler: Zivilisierte Gewalt tut not
Anmerkungen zum soziologischen Verständnis von Gewalt

Man hat Christoph Coen für seine Richtigstellungen bezüglich der jüngeren deutschen Rechtsgeschichte sehr zu danken, zumal die von ihm monierten Falschbehauptungen geeignet sind, eine weithin verbreitete Ansicht zu bekräftigen, derzufolge das bürgerliche Traditionsgut Familie in den Zeiten vor seiner postmodernen Dekonstruktion, vulgo Zerrüttung, eine Einrichtung zum Zweck der Legalisierung von Unterdrückung und Gewalt gewesen sei.

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Christoph Coen schrieb uns am 10.01.2012
Thema: Dirk Kaesler: Zivilisierte Gewalt tut not
Anmerkungen zum soziologischen Verständnis von Gewalt

Der Aufsatz enthält ein paar sachliche Fehler, was die Rechtslage in Deutschland betrifft:

Vergewaltigung in der Ehe ist als solche bereits seit April 1998 strafbar. Zuvor war sie auch schon strafbar, allerdings nur als Nötigung; dabei handelt es sich freilich auch um ein "Offizialdelikt".

Das Gewaltschutzgesetz ist nicht § 1 des Gesetzes zum zivilrechtlichen Schutz gegen Gewalttaten und Nachstellungen, sondern mit diesem Gesetz identisch: "Gesetz zum zivilrechtlichen Schutz gegen Gewalttaten und Nachstellungen" ist der Langtitel, "Gewaltschutzgesetz" der Kurztitel. Wie schon der Begriff "zivilrechtlich" erkennen lässt, hat dieses Gesetz nur am Rande mit Strafrecht zu tun und taugt daher bereits aus
diesem Grund nicht als Beleg für die ohnehin schiefe Behauptung, der "vormals quasi rechtsfreie Raum der Familie" sei "mittlerweile durch die Strafgerichte domestiziert".

Merkwürdig ist demgegenüber, dass der Autor das im November 2000 eingeführte komplette Verbot körperlicher Bestrafungen im Rahmen der Erziehung (§ 1631 Abs. 2 BGB) unerwähnt lässt. Angesichts der langen und breiten Akzeptanz des sogenannten "Züchtigungsrechts" handelt es sich hierbei um eine durchaus einschneidende Änderung, deren Bedeutung in vielen Köpfen aber wohl noch nicht angekommen ist.

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meyer.hoff schrieb uns am 10.01.2012
Thema: Kai Köhler: Das kleinere Übel
Giovanni di Lorenzo propagiert Karl-Theodor zu Guttenberg

danke für die rezension. sie zeigt die problemfelder klar auf, in denen die protagonisten sich herumlavieren. mich hat auch di lorenzo mit dieser aktion überrascht. er ist ein mann von einiger intelligenz, der zudem auch in der lage ist, rhetorisch zu überzeugen. dass er dabei auch eine gewisse eitelkeit sein eigen nennt, steht auf einem anderen blatt. gerade der sinn für das sprachliche lässt mich aber fragen: wie kann er sich eine stilblüte wie diese erlauben: „Wer also die Rückkehr des Karl Theodor zu Guttenberg auf die politische Bühne befürchtet, der fürchtet sich nach diesem Buch vermutlich völlig zu recht.“
oder handelt es sich um keine stilblüte? springt ihm hier ein kleiner freud von der lobhudelnden zunge? /> grundsätzlich gilt: kaum ein gegner kann einen mann so gründlich demontieren, wie er das selbst zuwege bringt. insofern hat das ganze ja auch wieder unterhaltungswert. da will man ja kaum noch die löwen herin lassen ...

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Haldor schrieb uns am 05.01.2012
Thema: Harald Stücker: Wozu Moral?
Christoph Fehige begründet die Moral neu

Eine Handlung muss vernünftig, sprich: für den Handelnden nützlich sein - so heißt es in Zeile 2. Diese Definition von "vernünftig" ist subjektiv, kann also keine Allgemeingültigkeit beanspruchen. Ich lehne diese Definition jedenfalls ab.
Viele Grüße
Haldor

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Thomas Anz schrieb uns am 31.12.2011
Thema: Thomas Anz: Kämpfe um die Moderne
Hinweise zu einem nach wie vor umstrittenen Begriff und zu neueren Beiträgen der Forschung

Zu dem „Fall Benn“, auf den mein Artikel eingeht, hier noch eine Nachbemerkung: Holger Hof hat inzwischen in seine Biografie „Gottfried Benn. Der Mann ohne Gedächtnis“ einen langen, bisher unveröffentlichten Brief Benns vom April 1938 im Umfang von gut vier Seiten abgedruckt, der ein bezeichnendes Licht auf seine Situation in dieser Zeit wirft. Benn war im März auf Betreiben des völkischen Malers Wolfgang Willrich aus der Reichsschriftumskammer ausgeschlossen worden. Das kam einem Publikationsverbot gleich. Joachim Dyck schreibt in seiner 2008 erschienenen Einführung zu Benns Leben und Werk, Benn habe „zu keinem Zeitpunkt einen Einspruch ins Auge gefasst“. In der Tat hat er nicht versucht, den Ausschluss aus der Reichsschriftumskammer rückgängig zu machen. Aber in der Befürchtung, der Ausschluss könnte auch seine berufliche Existenz als Arzt in der Wehrmacht gefährden schrieb er am 1. April an seinen Vorgesetzten, „dass von einer Gegensätzlichkeit zwischen meinen Büchern und im Nationalsozialismus keine Rede sein kann“ und „dass ich 1933, 1934 ein leidenschaftlicher Anhänger der Bewegung war“. Er verweist dabei auf seine Essay-Bände „Der neue Staat und die Intellektuellen“ (1933) und „Kunst und Macht“ (1934) sowie auf seinen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1928 über die Erschießungen der Edith Cavell, in dem er sich „national, militärisch und offiziersmäßig“ gezeigt habe, betont darüber hinaus, in seiner „Herkunft und Familie“ gebe es „keinen Bolschewismus“ und er stehe „mit keiner, aus welchem Grund immer emigrierten Person in irgendeiner Verbindung“. Weiterhin beteuert er: „meine Bücher haben immer nur einen kleinen Kreis von Lesern beschäftigt, sie gehören einer vergangenen Epoche an.“ Der Rezensent von Hofs Biographie in der F.A.Z. (29.10.11) schreibt dazu: Benn „katzbuckelt vor der Macht. […] Benn tat damals alles, um zu überleben“ Wie weit ist ihm dies  vorzuwerfen? Und enthält der Satz, dass er „1933, 1934 ein leidenschaftlicher Anhänger der Bewegung war“, nicht ein deutliches Signal der späteren Distanzierung? Die Debatte über den „Fall Benn“ nimmt kein Ende.

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Sally Field schrieb uns am 27.12.2011
Thema: Re: Wulf Segebrecht: "Sie sagen: er ist ein Jude"
Jakob Wassermanns autobiografische Schrift "Mein Weg als Deutscher und Jude"

Jakob Wassermann gelingt es in seiner Schrift den wunden Punkt zu treffen: die subjektive Wertigkeit jeder nationalen Literaturszene. Das tiefsitzende Vorurteil gegen Juden, das sich durch die Gesellschaft zieht, entlarvt er als Betroffener und weist den intellektuellen Zwang zurück sich zwischen Deutschtum und Judentum entscheiden zu müssen. Gleichzeitig erkennt er in seiner eigenen Zugehörigkeit zum Judentum, dass Juden unter falschen Vorzeichen aufgrund ihres Glaubens zusammenhalten. Damit durchtrennt er die separativen Bindungen auf beiden Seiten und überschreitet die zeitgeistigen Entwicklungen, unter denen er wohl auch leidet. Ein sehr moderner Autor und analytisch genial!

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Marianne Bruaux schrieb uns am 17.12.2011
Thema: Dirk Kaesler: Vom Suchen und Finden von Michael Althen
Wie zwei Münchner Vorstadtkinder sich dann doch noch trafen

Lieber Herr Professor,

Es soll kein Leserbrief sein, nur ein ganz bescheidenes, freudiges Feedback von einer « ganz normalen », neugierigen Leserin und Nicht- Wissenschaftlerin, die aber « wissen » will und endlich Zeit hat, Glossen zu lesen, jeden Link anklickt, Dinge entdeckt, aufschreibt, lernt. Jede neue Glosse zeigt mir, wie wenig ich doch weiß, wie oberflächlich mein « Wissen » oft ist ! Dank also für alle Anregungen – es macht Spaß, Stiller, Homo Faber und Montauk in der « aus grauen Vorzeiten » - Ausgabe hervorzuholen, sie wieder neu  und ganz anders zu lesen…

Das Ende der « Liebeserklärung an das Kino » von Michael Althen ist so schön, ich habs in
mein Herz geschrieben (das Buch wird schwer zu beschaffen sein).
Das « Funkeln, das auf den Samt einer ewigen Nacht gebettet scheint » - Menschen, die sowas schreiben, gehen einem voraus und schenken Mut, trotz der Weh-Mut und dem Abschied-Nehmen - oder gerade deshalb …

Merci pour tout !

Marianne Bruaux

(vor langer Zeit auch mal ein Münchner Vorstadtkind !)

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Matthias Kunze schrieb uns am 16.12.2011
Thema: Thomas Neumann: Wie man blöd wird
Anmerkungen zum Band „Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität“ von Markus Metz und Georg Seeßlen

Sehr gut: dass Sie dieses Buch überhaupt besprechen, ist es doch von so ziemlich allen großen Feuilletons schmählich übergangen worden.

Kritisch: Ihre Kritik, dass hier mir einem veralteten Gesellschaftsmodell gearbeitet wird, vor allem in Bezug auf die Postulierung einer sozusagen homogenen Unterschicht. Natürlich ist das eine Verallgemeinerung für ein komplexes Phänomen. Doch wenn Sie behaupten, dass Dumme ja nicht nur in dieser postulierten Unterschicht vorhanden seien, sondern auch in der Politik, der Wirtschaft und sonstwo, dann bekommt man schon irgendwie den Eindruck, dass Sie das Buch nicht aufmerksam gelesen haben, weil 1. mit Dummheit oder Blödheit hier nicht nur die alltagssprachliche Definition gemeint ist und 2. es in
"Blödmaschinen" mitnichten nur um diese Unterschicht geht sondern vor allem auch um gesamtgesellschaftliche Prozesse. 3. ist es doch auch schwer zu leugnen, bei aller Kritik an Verallgemeinerungen, dass der Begriff des Prekariats eine gewisse Entsprechung in der Gesellschaft findet. Dass es da eine bestimmte Gruppe von Menschen gibt, die jegliches Interesse an Bildung, an gesellschaftlicher Partizipation und am Denken verloren haben, die in einem Kreislauf aus Frustrationen, die mit anspruchsvoller Unterhaltung verdrängt werden, feststecken.

Ein weiterer Kritikpunkt: Sie gehen inhaltlich kaum auf dieses Buch ein, das doch so viel Eingehenswertes enthält. Das hinterlässt, in Verbindung mit der oben angesprochenen Kritik, ein etwas schales Gefühl, dass dieses Buch hier eben einfach nur abgefertigt werden sollte, ohne eine großartige inhaltliche Auseinandersetzung  zu liefern. Das wird der differenzierten Untersuchung der beiden Autoren sicher nicht gerecht.

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Felix Riedel schrieb uns am 15.12.2011
Thema: Malte Völk: Mit den Füßen suchend
Thomas Knubben schickt einen entschwundenen Dichter in seinem Buch „Hölderlin. Eine Winterreise“ auf den Jakobsweg

Lieber Herr Völk,

ich las ihre Rezension und war sehr angetan. Bourdieu beschreibt die Feldforschung - in einer durchaus berechtigten Agenda gegen den Empirismus seiner Zeit - als "spirituelle Erfahrung". Das passt natürlich auf den "ethnographic turn" in den gesamten Sozialwissenschaften, mit dem vertüncht werden soll, dass man eigentlich nur vergessen hat, was qualitative Forschung war. Es ist halt schick, dabei gewesen zu sein und den steppenwölfischen Verstand fast, aber haarganzscharf, riskiert zu haben. Hölderlin verlor ihn bekanntermaßen nicht auf dem Olymp sondern im Turm.
Ich wünsche ihnen weiterhin frohes Schaffen und freue mich auf Lesebeweise.
Liebe Grüße
Felix Riedel

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Veit Feger schrieb uns am 28.11.2011
Thema: Rolf Löchel: Literarischer Kolonialismus
Eva Blomes Untersuchung der Konstruktion von „Rasse“ und Sexualität in deutschen Romanen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts

Sehr geehrter Herr Löchel,

als am 21. November 2011 die neue Rezensionenliste von “Literaturkritik” bei mir per e-Mail einlief, schaute ich rasch über alle 25 Titel drüber und entschied mich, EINEN, der mich vom Thema her am meisten interessierte,  auszudrucken, um ihn genau zu lesen.
Das war Ihre Besprechung von Eva Blomes Untersuchung....

Als ich nach der Lektüre die drei Din-A-4-Seiten auf meine seitlichen Anstreichungen durchschaute, sah ich, wie wenig das war, was ich meines Empfindens durch Ihre Rezension des Blome-Buchs über eben dieses Buch  erfahren hatte.

Ich dachte beispielsweise, ich würde  durch Ihre Rezension erfahren, zu welchen Zeiten besonders viel
“rassistische” Romane erschienen; schließlich ist der Zeitraum “erstes Drittel des 20. Jahrhunderts”  lang  und ereignisreich genug, um die literarische Produktion in diesem Zeitraum zu differenzieren, wenigstens nach  Kaiserreich und  Zwanziger Jahre. Indes – nichts  dergleichen.
Ich dachte, ich erfahre etwas über die Anzahl der einschlägigen  Romane (und sonstiger Texte) zu dem genannten Thema oder über die Bedeutung, die diese Texte im jeweiligen Autoren-Oeuvre haben.... Fehlanzeige.

Mir wurden genau fünf literarische Texte mit “rassistischem” Inhalt “namentlich” genannt.
Inhaltliches zu diesen fünf  Romanen wird in gerade mal in zwei von zehn Abschnitten dieser Rezension vorgetragen.
Die wesentliche inhaltliche Aussage: Die Autoren warnen (absichtlich oder unabsichtlich) vor rassischer Vermischung. Flippig formuliert: Heirat keine Schwarze, das geht schlecht aus....!

Ein gewisser Unterschied, so erfahre ich, wird in den untersuchten Romanen gemacht zwischen den verschiedenen Paarungen  “farbig – weiß” und “Türke – Europäer”. Letztere Paarung wird wohl zumeist gar nicht als verschieden-RASSISCH, sondern nur als verschieden-ETHNISCH  angesehen.

Die gesamte Rezension  strotzt (wie wohl auch das rezensierte Buch)  von Fremdwörtern,  die es vor fünfzig Jahren in deutschen wissenschaftlichen Texten so gut wie nicht gab und deren Berechtigung ich in einer ganzen Reihe Fälle bezweifle.  - Man kommt sich vor, als ob man den bemühten Text eines gegenwärtigen Germanistik- oder Soziologie-Studenten liest, verfasst von jemand, der unbedingt zeigen muss, was er an derzeit  modischer Terminologie “drauf” hat.

Der Großteil der Rezension befasst sich mit Fragen der literarischen Untersuchungsmethode.
Es wär wirklich schön gewesen: “mehr Fleisch an die Knochen”, damit die bisher sicher schmerzliche Forschungslücke ein wenig deutlicher geschlossen wird........

Veit Feger. Veit.Feger@t-online.de

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Thomas Siebert schrieb uns am 17.11.2011
Thema: Re: Lutz Hagestedt: Maßlose Poesie
Ana Miranda portraitiert Clarice Lispector

Sehr sauber!!
Aber wo bitte sehr bekomme ich Informationen über Ana Miranda her? Ich bin begeistert von Clarice Lispector und beim surfen im Internet über den Namen Ana Miranda gestoßen und lese dann diese Kritik. Zum Stirnerunzeln war mir da beim lesen und entspannen konnte ich mich dann wieder beim lesen der Antwort. Vielen Dank dafür.

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Reinard Schmitz schrieb uns am 17.11.2011
Thema: Stefan Schweizer: Freiheit statt Kapitalismus oder Freiheit des Kapitalismus?
Über Sahra Wagenknechts Buch „Freiheit statt Kapitalismus“

Werter Herr Schweizer, mit Unterstellungen ist noch keine Rezension geschrieben. Nur ein Beispiel: Die Prämisse, die Politik stehe unter der Oberherrschaft des Kapitals einfach als falsch und irrig weg zu wischen ist deutlich zu einfach. Da haben offenbar andere, konservative Menschen schneller dazu gelernt als Sie, pardon. Man merkt Ihrer Argumentation an, dass Sie nicht in der Lage sind, Alternativen zu zu lassen.

Alles in allem: Eher Dünnbier, schade. Das Forum hier heisst LITERATURKRITIK, ausser »Respekt für eine scharfsinnige Wirtschaftsanalyse, einen geschliffenen Stil und ein hohes Maß an Intellektualität« ist diesbezüglich nichts enthalten. Der Rest ist Abheben auf DDR-Sozialisation, auch wenn Sie's zu verbergen suchen.

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Manfred Jobst schrieb uns am 12.11.2011
Thema: Florian Strob: Missverstanden und vergessen
Elaine Martin deckt in ihrer Arbeit zur Nobelpreisträgerin Nelly Sachs viele Fehlurteile der bisherigen Rezeption auf

Sehr geehrter Herr Strob,
danke für den Hinweis auf dieses Buch und ihre beeindruckende Besprechung. In der Internetzeitschrift ´Marburger Forum´ (marburger-forum.de) hat Max Lorenzen einige Beiträge zu Nelly Sachs veröffentlicht, die vielleicht von Interesse für Sie sein könnten!  In den Heften 4 und 5 des Jahrgangs 6 (2005).
Mit freundlichem Gruß,
Manfred Jobst

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Johannes Molitor schrieb uns am 02.11.2011
Thema: Giesbert Damaschke: Keine große Datei
Josef Huerkamps Fleißarbeit „Die große Kartei“ will Arno Schmidts Roman „Das steinerne Herz“ erschließen, erscheint aber im falschen Medium

Bewundernswert ihre Rezension, Herr Damaschke! Wie Sie Höflichkeit und Ernshaftigkeit wahren angesichts dieses Opus - einfach bewundernswert.

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Thomas Kupka schrieb uns am 27.10.2011
Thema: Thomas Kupka: Was Jean-Luc Godard von Federico Fellini hätte lernen können
Über Thomas Koebners neues Buch über die Filme Fellinis und einen Sammelband von Bernd Kiefer, herausgegeben zu Godards 80. Geburtstag

Ich möchte mich bei Jean-Luc Godard entschuldigen. Wie er der tollen Katja Nicodemus von der ZEIT (# 41/2011) verriet, ist er nun selbst des Geredes überdrüssig. Das gilt vor allem für 'philosophisches', das ich auch in meiner Kracauer-Rezension kritisiert hatte. Godard selbst bezieht sich auf einen berüchtigten Kunstlehrer aus Karlsruhe, der sich jüngst mit einem Aufruf zum Steuerstreik hervortat, den man als bloßes Gequassel (auch und besonders in der ZEIT) vielleicht besser ignoriert hätte. Auch hat Godard Frau Nicodemus verraten, dass der Film Socialisme nicht sein letzter Film gewesen sein soll. Niemand möchte natürlich auf Filme von Jean-Luc Godard verzichten. Sie könnten etwas zugänglicher sein, gewiss. Das würde auch weniger Gerede bedeuten. Und bessere Bilder. Hier, nach wie vor, aber ist Fellini der König.

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Marianne Bruaux schrieb uns am 19.10.2011
Thema: Dirk Kaesler: Hänschen klein
Vom Weggehen und Wiederkommen, vom Bleiben und vom Hin-und-Her

Lieber Herr Professor Käsler,

ganz schön nachdenklich bin ich geworden beim Lesen der "Hänschen klein" Glosse...
Was haben wirs gesungen, dieses Lied - natürlich in der Regressions-, schlechtes Gewissen- und Klammerversion! Und dann wieder, mit Kindern und Enkeln, ohne lange nachzudenken, "aus dem Bauch" eben. Erstaunlich, wie die Strophen und Melodien einfach wieder auftauchen, sobald man sich mit einem Kind beschäftigt.
Gemimt haben wir auch: "weinet sehr": Hände vor die Augen, "kehrt nach Haus geschwind": Arme auf und schnell heim zur Mama!

Ich würde gerne wissen, warum heute so viele Hänschen erst gar
nicht "ziehn, allein"? Was falsch
gemacht? Was Falsches gesungen? Die Mütter???

Da fallen mir noch andere Lieder ein, zum Beispiel "Guten Abend, gute Nacht, mit Röslein bedacht ...
... Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt" ...
Was ist mit dem? EIn anderes Thema, ich weiß, aber ich mags nicht mehr singen...

Mit herzlichen Grüßen und in Erwartung aufs nächste "ärgern, betrübt sein und sich freuen" im November!

Marianne Bruaux

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Ingeborg Gollwitzer schrieb uns am 27.09.2011
Thema: Beat Mazenauer: Freizügig und verklemmt zugleich
Charlotte Roche landet mit „Schoßgebete“ zum zweiten Mal einen programmierten Bestseller, der fürchterlich zäh zu lesen ist

... eine wirklich wundervolle Rezension!

Inwiefern gilt hier das Sprichwort:

"Es ist nicht alles Gold was glänzt"

oder umgekehrt:

"Was hat hier für wen wie Gold geglänzt...."

Jedenfalls: Für irgendwen war's Gold wert -

Vielleicht haben ja die Käufer auch nix Besseres verdient für ihr Geld.

Schade nur um den Wald

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Dirk Kaesler schrieb uns am 06.09.2011
Thema: Re: Dirk Kaesler: Wie finde ich meine Berufung?
Warum es immer noch besser ist, Max Weber zu lesen als Tarot-Karten zu legen

Liebe Luise F. Pusch,

auf Ihren Leserbrief antworte ich gerne und gleich, schon weil ich mich geehrt fühle, dass Sie auf meine Glosse reagieren. Aber auch, weil ich die falsche Adresse für Ihre - zutreffende - Kritik bin.

Dass die deutsche Sprache eine "Männersprache" ist, wissen wir ja seit langem, nicht zuletzt auch durch Ihre verdienstvollen Schriften. Aber, die richtigen Adressen für Ihre kritischen Anmerkungen wären Ole Könnecke, die Redaktion der "LeseLok" und die AutorInnen der Ratgeberliteratur. Aber, ganz gewiß weder meine Grazer Studentin Verena Köck, die diese kleine Recherche unternommen hat, noch ich selbst. Wir finden das gleichermaßen bedenklich!

Mit Dank für
Ihr leidenschaftliches Interesse an meinen Nach-Denklichkeiten und kollegialen Grüßen,
Dirk Kaesler

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Luise F. Pusch schrieb uns am 06.09.2011
Thema: Dirk Kaesler: Wie finde ich meine Berufung?
Warum es immer noch besser ist, Max Weber zu lesen als Tarot-Karten zu legen

Ausschließlich männliche Geistesriesen und viele Männerberufe werden aufgeführt. An Berufen für die Frau habe ich gefunden: Ärztin (ganz verblüffend in einem Heer von Maskulina), Pilotin, Museumswärterin (als Nachklapp).
Was soll aus Ihrer Studentin werden?
Ist die wahre Berufung der Frau noch immer Gattin, Hausfrau & Mutter bzw. Kinder, Küche, Kirche?

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